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Gottesdienst am 8. Sonntag nach Trinitatis, 2. August

Evangelische Kirchengemeinde Bad Neuenahr

8. So. nach Trinitatis - Salz der Erde – Licht der Welt

Herzlich Willkommen zu unserer Andacht im Internet! Ich freue mich, dass Sie sich Zeit nehmen für einige Gedanken und Texte zum Thema und den Predigttext der Woche.

 

(Die folgende Andacht zum Herunterladen: PDF DOC)

 

 

Wochenspruch

Lebt und handelt als Kinder des Lichts, die Frucht des Lichts ist lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. Epheser 5,8b.9

Musik 1: "Lumen Christi" von Jean Langlais

Gebet

 

Guter Gott, es gibt vieles, was mich umtreibt.

                              

Da ist Freude über das, was in der letzten Zeit gelungen ist, aber auch Trauer oder Frust, weil ich manches anders wollte in dieser Woche.

                              

Ich komme mit all‘ dem zu dir und halte es dir hin.                               

Sieh mich und mein Leben mit gnädigen Augen an und hilf mir, zur Ruhe zu kommen.                               

Amen.

 

Predigttext Johannes 9,1-7 Die Heilung eines Blindgeborenen


1 Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war.

2 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?

3 Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm.

4 Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.

5 Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

6 Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden

7 und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah – das heißt übersetzt: gesandt – und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.

 

Predigtimpuls

„Wer ist schuld, dass dieser Mann krank ist? Er selber oder seine Eltern?“, so fragen die Jünger Jesus, als sie gemeinsam an dem blinden Mann vorbeigehen. „Warum ist er krank?“ Eine Frage, die sich viele von uns auch schon gestellt haben:
„Warum bin ich krank geworden?“ „Warum gerade ich?“ „Warum jemand in meiner Familie?“ „Warum mein Kind?“

Jesus gibt eine klare Antwort: „Keiner ist schuld an der Krankheit!“ und „Diese Krankheit ist keine Strafe!“ Jesus gibt uns keine Erklärung für die Entstehung von Krankheiten.

Wir Menschen sind aber oft so gestrickt, dass wir grübeln und überlegen und eine Erklärung haben möchten. Wir glauben, dass Erklärungen helfen. Die moderne Naturwissenschaft und Medizin erforscht die Ursachen einer Krankheit. Doch warum diese Krankheit dann einen bestimmten Menschen trifft und einen anderen nicht, darauf hat auch die moderne Medizin oft keine Antwort, keine Erklärung. Wir müssen uns mit der Auskunft, dass es zufällig geschieht, begnügen.

Krankheiten sind große Herausforderungen im Leben eines Menschen. Sie ängstigen uns, machen Mühe und nehmen uns das Heft aus der Hand. Deshalb fragen wir nach den Ursachen, wollen erklären können, die Kontrolle haben. Doch keine Erklärung stillt den Schmerz und das Leid, das mit mancher Krankheit verbunden ist. Und es gibt Erklärungen, die das Leid noch verschärfen. Eben jene moralischen Erklärungen, die nach Sünde und Schuld suchen, wo Mitleiden und Hilfe angebracht wären.

Die Jünger gehen mit ihrer Frage nach der Ursache auf Distanz. Sie lassen das Schicksal des Blinden nicht an sich heran.

Jesus ist da ganz anders. Er geht an dem Blinden vorüber. Und schon bevor die Jünger ihn fragen, sieht er den blinden Mann. Er sieht ihn – das betrifft bei Jesus immer mehr als die Augen.

Jesus geht sehend durch die Welt und in die Begegnung mit Menschen: das heißt, er ist achtsam, aufmerksam, achthabend, auch für die, die eher am Rand stehen und oft nicht gesehen werden.

Seit Corona uns Vorgaben für unsere Begegnungen macht, ist es schwieriger für uns geworden, Menschen achtsam zu begegnen. Auf Abstand und mit einer Maske merken wir nicht so schnell, ob es einem Mitmenschen gut geht oder eher nicht. Hinter der Maske verbergen sich nicht nur Gesichter, sondern auch Emotionen. Begegnungen sind kürzer, flüchtiger.

Auch arbeiten im Homeoffice, telefonieren, Treffen per Videokonferenz und chatten statt wirklicher Begegnungen halten uns auf Abstand.

Jesus hält keinen Abstand. Er wendet sich dem Blinden zu, ohne dass der darum bittet oder ihn ruft. Die Initiative geht von Jesus aus in dieser Geschichte. Das ist bei anderen Heilungsgeschichten in der Bibel durchaus anders.

Jesus hilft dann auf dreierlei Weise: Zum einen macht er ganz praktisch einen Brei aus Spucke und Erde und verteilt ihn auf die Augen des Blinden. Dann spricht er mit ihm, lässt sich auf ihn ein, lässt Nähe und eine Verbindung zu.
Zum Schluss mobilisiert er die eigene Initiative des Blinden, seine eigenen Kräfte, die Selbstheilungskräfte. Um gesund zu werden, muss der Blinde zum Teich „Siloah“ gehen und sich waschen. „Siloah“ – der Gesandte. Wer ist gesandt? Jesus, der dem Blinden hilft oder der Blinde, der in ein neues Leben gesandt wird? Jesus macht es hell für den Blinden. Jesus bringt das Licht zu diesem Blinden – in die Welt.

Jesus sieht in jeder Begegnung mit einem Menschen dessen Möglichkeiten und Fähigkeiten. Und wir? Sehen wir nicht oft eher die Defizite unseres Gegenübers?

Die Heilung des Blinden erzählt uns davon, dass der Blinde sehend wird und dass die Jünger, die vorher glaubten, sie könnten sehen, erkennen und verstehen, eigentlich blind durch die Welt laufen. Sie leben im Dunkeln, begreifen nicht. Bringen kein Licht in die Welt. Sind blind für die Schicksale der Mitmenschen, für das, was das Gegenüber beschäftigt und für die Möglichkeiten und Fähigkeiten, die Gott einem Menschen mitgegeben hat.

Durch ihre theoretische Frage nach der Schuld, haben sie sich auf Distanz gehalten und sich nicht wirklich mit dem Menschen beschäftigt. Wie sehr beschäftigen wir uns mit den Menschen, die auf ihrer Flucht durchs Mittelmeer ertrinken? Die in den Flüchtlingslagern in Syrien keine Chance haben, sich vor Corona zu schützen?

Jesus zeigt uns mit dieser Geschichte, dass der Glaube an Gott keine Theorie ist, über die ich (hauptsächlich) debattieren kann. Die Nähe Gottes und das Licht in der Welt finde ich, wenn ich handle und nicht daneben stehenbleibe, mich bewegen lasse, mich hineinnehmen lasse in das Schicksal von Menschen, mich einlasse und Streit schlichte, mich auf den Weg machen, Ungerechtigkeiten zu verändern.

Jesus sagt, die Zeit ist begrenzt. „Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens“. Nutze die Zeit! Amen.

 

Fürbitte

Guter Gott, hilf uns so zu leben und zu handeln, dass es unserem Miteinander gut tut: Lass uns die Früchte des Lichts leben, indem wir gerecht und gütig sind und die Wahrheit sagen.
Wir bitten dich: Verströme dein Licht in unserer Welt.

Hilf uns und allen Menschen, durch unsere guten Werke dein Licht nicht unter den Scheffel, sondern auf einen Leuchter zu stellen und sichtbar zu machen.
Wir bitten dich: Verströme dein Licht in unserer Welt.

Wir bitten dich für die Verstorbenen und die, die wir vermissen. Wir vertrauen darauf, dass sie bei dir einen guten Ort haben. Hilf uns, unseren Weg durch die Trauer zu gehen.
Wir bitten dich: Verströme dein Licht in unserer Welt.

Guter Gott, wir beten für Frieden und ein gutes Miteinander in unseren Familien, in unserer Stadt und zwischen den Völkern und Nationen auf der ganzen Welt.
Wir bitten dich: Verströme dein Licht in unserer Welt.

Gott, in der Stille sagen wir dir das, was wir gerne noch mit dir teilen möchten… Stilles Gebet…  
Wir bitten dich: Verströme dein Licht in unserer Welt.

Wir beten gemeinsam weiter:
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Für den festgelegten Kollektenzweck können Sie hier spenden. ==>

 

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

 

 

Musik 2: "Laß uns in deinem Namen, Herr" EG 658

 

 

Auswahl und Text: Pfarrerin Elke Smidt-Kulla

 

MUSIK 1: Jean Langlais (1907–1991): Incantation pour un jour Saint ("Lumen Christi") • Jakob Noll an der Führer-Orgel der Pfarrkirche St. Albert, Andernach • Aufnahme vom 23. Mai 1972

Musik 2

MUSIK 2: "Laß uns in deinem Namen, Herr" (EG 658) • Text & Melodie: Kurt Rommel (1969) • Ausführende: Maren Frieseke, Tamara Spitzlei, Anke Matamoros & Stefanie Zacher, Gesang • Leitung & Klavier: Kantorin Andrea Stenzel • Aufnahme: 21. Juli 2020 • Martin-Luther-Kirche, Bad Neuenahr

 

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