Informationen zur Umgestaltung der Martin-Luther-Kirche

Was war die Ausgangssituation?

Überlegungen zur Umgestaltung der MLK gab es schon seit langem. In früheren Presbyteriumsperioden wurden schon vor 2018, also lange vor der Flut, Eckpunkte aufgezeigt:

  • Die Empore lässt nur in den vordersten 2 Reihen das Geschehen im Hauptschiff verfolgen. Der größte Teil davon ist ungenutzt und auch als Lagerraum schlecht nutzbar.
  • Die Akustik unter der Empore ist schlecht.
  • Die Umluft-Heizung ist nicht effektiv (Zugluft, Fußkälte, ungleichmäßige Erwärmung, Seitenschiff/Empore schlucken Wärme, obwohl sie nur in den seltensten Fällen genutzt werden).
  • Lagermöglichkeiten für Podeste und Stühle fehlen oder sind nur aufwändig zu erreichen.
  • Ein barrierefreier Zugang.
  • Barrierefreie Toiletten.
  • Sakristeinutzung und -Ort in der Kirche.
  • Sogar eine komplette Umnutzung des Seitenschiffs mit Verlegung des Ev. Gemeindeamtes in die MLK wurde damals diskutiert. Für das Gemeindeamt wurde aber in der Wolfgang-Müller-Straße eine neue Lösung gefunden.

Nach Realisierbarkeits- und Kostenschätzungen wurde die Umsetzung bis auf den barrierefreien Zugang zunächst zurückgestellt.

Unmittelbar nach der Flut wurden erste Sofortmaßnahmen zur Sicherstellung des Gebäudebestands aller Gebäude der Gemeinde ergriffen und umgesetzt, z. B. um weitere Feuchteschäden zu vermeiden. Dabei wurden mit Priorität das Verwaltungsgebäude und das Gemeindehaus „arbeitsfähig“ gemacht. Parallel dazu liefen die Überlegungen zum Wiederaufbau der MLK. Bald zeigte sich, dass eine 1:1-Wiederherstellung nicht in Frage kam.

  • Die Kellerräume sollten keine teure Technik mehr aufnehmen. Das Heizungssystem muss von Grund auf neu konzipiert werden.
  • Die energetische Bilanz muss verbessert werden.
  • Das Hochwasser war über den Eingang auf der Seite der Sakristei / des Luther-Lokals in die Kellerräume des Vorgängerkirchengebäudes eingedrungen und hat den Betonboden im Hauptschiff hochgedrückt. Die statischen Schäden mussten bewertet und müssen beseitigt werden.
  • Die Sakristei war Teil des Nebengebäudes (Luthers) und brandschutztechnisch nicht feuersicher abgetrennt.
  • Die Landeskirche gab ihrerseits Vorgaben zur Barrierefreiheit (insbesondere WC) und der CO2-Neutralität (also der Heizung).

Andererseits bot sich jetzt auch die Gelegenheit, größere Umgestaltungen vorzunehmen.


Wie sind wir vorgegangen?

Die obigen Punkte wurden bei den Planungen geprüft und ein Entwurf mit Realisierbarkeits- und Kostenschätzungen erarbeitet, der die Abtrennung und Umgestaltung des Seitenschiffs inklusive Rückbau der Empore und Verlegung der Sakristei vorsah. Dieser wurde in der Gemeindeversammlung vom 06.06.2022 und im Gemeindebrief (Ausgabe Juli bis Oktober 2022) vorgestellt. Die im Umfeld der Gemeindeversammlung eingebrachten Fragen und zahlreichen Vorschläge aus den Reihen der Gemeindeglieder, Anregungen der Mitarbeitenden, Merkpunkte aus den vorangegangenen Presbyteriumsperioden sowie technische Sachzwänge und behördliche Auflagen wurden bei der Verfeinerung der Planung bewertet und entsprechend berücksichtigt. Durch die Architekten und Fachingenieure zusammen mit dem Bauausschuss wurde der Entwurf zu einer Lösung insbesondere bezüglich des Seitenschiffs weiterentwickelt, mit der es gelungen ist, alle obigen Punkte und Funktionsanforderungen umzusetzen.

Parallel wurde ein Antrag auf Hochwasserhilfe des Landes gestellt für eine Kombination aus Wiederherstellung und Umgestaltung im Innenraum, mit umfangreichen Anlagen, Planungen, Gutachten und Kostenermittlungen. Die Kosten, die dem Wiederherstellungsaufwand entsprechen, werden von der ADD erstattet. Der Billigungsbescheid wurde am 03.12.2024 erteilt. Der diesen Betrag übersteigende Umgestaltungsaufwand ist durch die Kirchengemeinde zu finanzieren.

Weitere zu klärende Aspekte der Prüfungen und Auflagen der verschiedenen zu beteiligenden Instanzen in der Entwurfs-, Genehmigungs- und Ausführungsplanung waren:

  • Heizungssystem: Hochwasserresilienz (was kommt in den Keller?), Klimafolgen (Wärmedämmung, CO2-Fußabdruck, Solardach, Wärmepumpe?).
  • Denkmalschutz-Auflagen, urheberrechtliche Fragen, kirchenaufsichtliche Genehmigungen.
  • Und natürlich die Aufstellung und laufende Verfeinerung der Kostenschätzung und Finanzierung durch die ADD, Landeskirche und Eigenmittel.

Der Bauantrag für diese Maßnahmen wurde im Mai 2025 eingereicht. Die Baugenehmigung haben wir am 17.07.2026 erhalten. Derzeit laufen die ersten Ausschreibungen.


Wie soll die MLK nun aussehen?

Die Kirche soll für alle Besucher einladend und offen sein. Allerdings haben sich die Besucherzahlen der Gottesdienste in den letzten Jahrzehnten immer weiter verringert. Die seitliche Kirchenraumerweiterung aus den 50er-Jahren soll nun sowohl für Nebenräume als auch als „Empore“ genutzt werden. Deshalb wird diese Raumerweiterung abgetrennt. Die Abtrennung verbessert auch die Heizbarkeit der einzelnen Bereiche.

Im Seitenschiff wird die Raumaufteilung neu konzipiert. Dazu wird die schräg ansteigende Empore durch eine neue Ebene ersetzt; diese wird neben der vorhandenen Treppe durch einen Fahrstuhl barrierefrei erschlossen. Damit werden die erforderlichen Funktionsräume geschaffen: In der oberen Ebene entsteht ein großer Emporenraum mit einer Fensterfront zum Hauptschiff, die je nach Nutzung akustisch abschirmt oder geöffnet werden kann, z. B. für Posaunen-Musikbegleitung, zur Gottesdienstteilnahme für Kinder, als Gruppenraum, Unterrichts- oder Probenraum oder für sonstige Gemeindezwecke. Eine zusätzliche direkte Erschließungstreppe dieser Empore vom Hauptschiff aus ist aus Brandschutzgründen erforderlich und wird seitlich angeordnet.

Auch die Sakristei findet auf der oberen Ebene Platz. Die bisherige Sakristei war Teil des Nebengebäudes (Luthers) und brandschutztechnisch nicht feuersicher abgetrennt; sie wird jetzt dem Restaurant zugeschlagen. Weiterhin ist oben Platz für zwei WCs (vormals im Keller) und weitere Nebenräume (Abstellraum, Putzraum).

Im Erdgeschossniveau entstehen ein Küsterraum und ein „Kirchencafé“ für das Zusammenkommen nach dem Gottesdienst, ein barrierefreies WC und ein niveaugleicher Lagerraum für Stühle, Tische, Flügel und Podeste. Die Sitzplätze im Seitenschiff unten werden angesichts der sinkenden Gemeindegliederzahlen zugunsten der neuen Nutzungsmöglichkeiten aufgegeben; sie wurden ohnehin nur selten genutzt.

Das Hauptschiff wird durch Entfernen der abgehängten Decke, die den Raum zu flach erscheinen lässt, proportional verbessert und erhält durch das Offenlegen des Dachstuhls eine harmonische Form. Dabei wird auch die Dachisolierung aufgewertet. Der Raumeindruck wird symmetrischer.

Das Hauptschiff erhält einen durchgehend ebenen Boden. Altar, Kanzel und Taufbecken werden beweglich. Statt Bänken werden Stühle gestellt; dabei bleibt die Sitzplatzkapazität erhalten oder kann sogar vergrößert werden. Der Gottesdienstraum ist flexibel an verschiedene Gottesdienstformen und Veranstaltungen anzupassen.

Das charakteristische Kreuzigungs-Mosaik aus den 50er-Jahren kann bei einer nicht-gottesdienstlichen Nutzung anlassbezogen durch Retabelflügel verdeckt werden. Gleichzeitig wird es durch Rahmung und Beleuchtung aufgewertet und damit formal an die neogotische Form des Chores aus 1872 erinnert.

Heizung/Energie

Eine Kombination Photovoltaik/Wärmepumpe wurde geprüft, aber verworfen. Sie erweist sich für Heizungszwecke der Kirche als nicht wirtschaftlich und würde jetzt und erneut bei der nächsten Regeneration erhebliche Investitionen erfordern. Der Denkmalschutz hat ebenfalls Bedenken geäußert.

Die Kirche wird deshalb an die Fernheizung angeschlossen. Der von der Ev. Landeskirche im Rheinland (EKiR) beschlossene zukünftige CO2-neutrale Gebäudebetrieb wird durch den Fernwärmeanschluss gewährleistet werden können.

Eine Fußbodenheizung stellt die Grundlast sicher und erzeugt schon bei geringerer Raumtemperatur ein besseres Wohlbefinden ohne Fußkälte. Bei Bedarf kann eine Warmluftheizung hinzugeschaltet werden. Die Fenster sollen teilweise eine zweite Glasebene erhalten. Auch die Beleuchtung mit LED wird dann energieeffizient zu steuern sein.

Weitere Informationen zum architektonischen Entwurf und zur Planung:
Martin-Lutherkirche Bad Neuenahr – Königs Architekten

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